| Montag, 27.06.2011 |
| Strecke: |
148 km, 2700 hm |
| Pässe: |
Arlbergpass, Bielerhöhe |
| Fahrzeit: |
5:18 h |
Die zweite Etappe der diesjährigen Transalp ist - wie schon die erste - eine Neuauflage des entsprechenden Teilstücks des Jahres 2009. Von Imst führt es uns über den Arlbergpass und die Bielerhöhe nach Ischgl. Zunächst geht es neutralisiert vom Start in Imst Richtung Landeck. Je länger die Neutralisation dauert, desto schneller wird gefahren. So bekommt man gar nicht richtig mit, wann die Neutralisation eigentlich aufgehoben wird.
Schon auf der leicht steigenden Zufahrt zum Arlbergpass zerlegt es den Startblock A in mehrere Teile. Das Tempo ist weiterhin sehr hoch und mich beschleichen ungute Erinnerungen an das Jahr 2009. Damals hatte ich auf der Zufahrt zum Arlberg schon viele Körner "verballert" und mich an der Bielerhöhe dann sehr schwer getan. Ähnliches will ich dieses Mal vermeiden und etwas zurückhaltender fahren. Allerdings habe ich diesen Plan ohne die Konkurrenz gemacht. Auf der ansteigenden, aber wenig selektiven Zufahrt nach St. Anton schließen von hinten mehrere Gruppen zu uns auf, in denen sich auch weitere Mixed-Teams befinden. Ich frage mich, wo die wohl gestern waren …
Nach St. Anton steigt die Straße zum Arlberg dann zwar deutlich steiler als zuvor, allerdings ist der Pass auch hier weiterhin eher was für „bergfester Roller“ denn für echte Bergziegen, denn zweistellige Steigungsprozente gibt es keine. Mit knapp 73 kg bei 184 cm Größe falle ich auch eher in die Kategorie „Roller“, dementsprechend liegen mir solche Anstiege wie der Arlbergpass. Das verhältnismäßig einfache Profil des Passes verleitet zum schnell Fahren. So erreichen wir sehr zügig die Passhöhe und können dabei auch das eine oder andere Mixed-Team aus der großen Gruppe wieder abhängen. Allerdings werden wir auch von einigen Teams überholt, die am Vortag noch deutlich hinter uns waren. Die Karten werden neu gemischt!
Auf dem Arlberg-Pass will ich kurz anhalten, um an der Verpflegungsstelle unsere Flaschen zu füllen. Katja fährt währenddessen schon einmal vor. Wegen des allgemeinen Tohuwabohus dauert das Prozedere aber erheblich länger als mir lieb ist, und ich brauche, obwohl ich teilweise mit 90 km/h über die gut ausgebaute und kurvenarme Straße Richtung Tal sause, ziemlich lange, um Katja in der Abfahrt wieder einzuholen. Im unteren Teil wird es dann flacher, es bildet sich ein Grüppchen, in dem aber überhaupt nichts zusammenläuft. Der Wille zusammenzuarbeiten ist zwar da, aber es klappt nicht so recht. Immer wieder wird vorne kurzzeitig "draufgetreten", dass man kaum hinterherkommt, um gleich darauf wieder die schnell die übersäuerten Beine hochzunehmen.
Das geht auch so weiter als wir bei Bludenz auf die Zufahrt zur Bielerhöhe abbiegen. Der Abzweig ist etwas unübersichtlich, denn man muss ein kurzes Stück über einen Radweg fahren, bevor die gut ausgebaute Zufahrt zur Silvretta Hochalpenstraße erreicht wird. Dort sehen wir vor uns eine große Gruppe, und weil nun alle in unserem Grüppchen unbedingt da hin wollen, wird das Tempo heftig angezogen. Wir haben "ziemlich dicke Beine" und unerwartet viel Mühe, mitzukommen und die Lücke zu schließen. Irgendwie läuft es nicht rund - deutet sich eine Parallele zu 2009 an? Auch die große Hitze setzt uns zu, der Radcomputer am Lenker zeigt Werte in der Nähe der 40 Grad Marke - zwar in der Sonne gemessen, aber Schatten gibt es hier sowieso keinen. Zu allem Überfluss habe ich bei der Hitze auch noch schwarze Ärmlinge an die ich nicht ablegen kann. Ich war am Vortag wohl zu sparsam mit der Sonnencreme und habe mir die Arme so stark verbrannt, dass ich sie nicht erneut der Sonne aussetzen will.
An der nächsten Verpflegungsstelle fahren wir vorbei, wir haben noch genug in den Flaschen, zuviel, wie uns später klar werden wird. Hinter der Verpflegungsstelle beginnt die Straße stärker zu steigen, der eigentliche Aufstieg zur Bielerhöhe beginnt. Im Gegensatz zum Vortag finden wir überhaupt nicht zu unserem Rhythmus, die Beine sind schlecht, die Hitze macht uns zu schaffen und liegt klebrig wie Honig in der Luft. Wie vor zwei Jahren wird die Bielerhöhe zu einem echten Gewürge. In einer Serpentine reicht ein Zuschauer Trinkflaschen heran, die er an einem Wasserlauf gefüllt hat. Ich schütte mir das Wasser über Kopf und Rücken, gleich läuft es wieder, aber leider nur für kurze Zeit.
In einer anderen Serpentine steht ein Radfahrer, der uns mit seiner Digitalkamera ablichtet und auch noch unsere Vornamen kennt. Wir haben allerdings nicht die leiseste Ahnung, wer das ist. Wie sich später herausstellt, ist er ein Mitglied der Grenzfahrer aus Kervenheim, der uns u. a. von der RTF unseres Vereins kennt. Auf seinen Bildern ist später zu sehen, dass Katja bereits hier mit wenig Luft im Hinterreifen unterwegs ist, und sich ein Defekt ankündigt. Das ist uns aber noch nicht klar, erst nachdem wir einige Zeit später das Flachstück am Stausee wenige Kilometer vor der Passhöhe passiert haben, ist die Luft endgültig raus und der Reifen platt. Ich gebe Katja mein Hinterrad und mache mich an die Reparatur des „Plattfußes“. Der Schwalbe Servicewagen, der sonst häufiger im Feld unterwegs ist, ist natürlich weit und breit nicht zu sehen. Dank der freundlichen und tatkräftigen Unterstützung zweier Schweizer Radfahrer ist die Reparatur dann aber nach relativ kurzer Zeit erledigt. Dennoch erscheint mir die Zeitspanne unendlich lang. Während ich am Reifen hantiere, schiele ich immer mit einem Auge auf die Straße, wo das gesamte Teilnehmerfeld in kürzester Zeit an mir vorbeizurollen scheint.
Als das Hinterrad wieder eingebaut ist, mache ich mich eilig auf den restlichen Weg und versuche, so schnell wie es geht zur Passhöhe zu kommen - Schadensbegrenzung ist das Motto. Tatsächlich kann ich noch einige Teams, die während der Zwangspause an mir vorbeigefahren sind, wieder einholen. Dabei holt mich irgendwann der Kollege von den "Grenzfahrern" ein, er macht noch noch einen frischen Eindruck. Ich hefte mich kurz an sein Hinterrad, habe dann aber doch erhebliche Mühe, es auf dem letzen Stück zur Passhöhe zu halten. Wir wechseln noch ein paar Worte, dann geht es für mich alleine auf die Abfahrt von der Bielerhöhe zum Ziel.
Auf der Abfahrt hole ich deutlich schneller als mir lieb ist noch vor dem Ziel Katja wieder ein, die sichtlich angeschlagen "auf der letzten Rille" fährt. Irgendwann machen sich bei mir Krämpfe bemerkbar, wohl die Folge des sehr hohen Tempos nach dem Defekt. So sehr wir uns auch bemühen, die Gruppe, die sich in der Abfahrt gebildet hat, müssen wir kurz vor Schluss noch ziehen lassen. So verlieren wir wieder einige Plätze, die ich nach dem Defekt noch gutmachen konnte und erreichen nur als 14. des Tagesklassements das Ziel. Es wird die schlechteste Tagesplatzierung der gesamten Woche werden, aber das wissen wir natürlich noch nicht. Wir haben einen rabenschwarzen Tag erlebt, das, was man in Frankreich als "jour sans" bezeichnet und jeder Rundfahrer fürchtet, wie „der Teufel das Weihwasser“. Im Gesamtklassement bedeutet das vorerst den Absturz auf Rang 9 und die Verbannung aus dem Startblock A in Block B. Eigentlich liegen wir damit immer noch im Plan, denn wir haben uns ein Top 10-Resultat vorgenommen. Es dauert aber eine ganze Weile bis wir uns - nach Literweise Wasser, Cola und anderen Getränken - körperlich und mental erholt haben. Wir haben heute wohl nicht nur den Preis für den Effort am Vortag bezahlt, sondern auch noch für die große Hitze zu wenig getrunken. Aber noch sind fünf Etappen zu fahren ...

GPS-Track auf Gpsies
Höhenprofile
| Name |
Aufstieg von |
Länge |
Höhe |
Steigung |
Profil |
| Arlbergpass |
Landeck |
33.9 |
994 |
2,9% |
|
| Bielerhöhe |
Lorüns bei Bludenz |
41.4 |
1480 |
3,5% |
|
|