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Int. 16-Talsperren-Rundfahrt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Katja Hernold   
Dienstag, den 10. Mai 2011 um 15:17 Uhr
Samstag, 28. August 1999
Veranstalter: Skiclub Gevelsberg
Plz./Ort: 58 Gevelsberg
Strecke: 206 km (Alternativstrecke(n): 48/77125 km),
2500 hm
Streckencharakteristik: bergig

Im August 1998 war die 4. Gevelsberger 16-Talsperren-Rundfahrt mein erster Marathon. Damals entdeckte ich meine Leidenschaft (kommt von Leiden) für >200 km-Touren. Gevelsberg 1998 hat daher meinen 99er Saisonverlauf maßgeblich mitbestimmt, und somit mußte ich natürlich dieses Jahr wieder dabei sein! Allerdings waren die Erinnerung an meinen ersten Marathon nicht ganz ungetrübt: Damals hatte ich bei einem heftigen Abflug nach 90 km ziemlich viel 'Tapete auf der Straße gelassen' und war den Rest des Marathons - ganz in Erik Zabel-Manier ;-) - mit einigen klaffenden Wunden zu Ende gefahren. Im Gegensatz zu Ete bei der diesjährigen Tour bin ich allerdings nicht mehr um den Sieg gesprintet.... Dummerwerweise hat mich auch in diesem Jahr kurz vor Gevelsbeg unter tätiger Mithilfe einer völlig überforderten Autofahrerin wieder mal das Schicksal eines leichten Sturzes ereilt - das muß wohl an der Jahreszeit liegen.

Pünktlich um 06.30 Uhr gingen wir bei angenehmen 13 Grad auf die Strecke. Das erste Teilstück vorbei am Beyenburger Stausee hatte gleich drei heftige Anstiege, den schlimmsten kurz vor km 23 und Kontrollpunkt 1. Weiter ging es vorbei an Herbringhauser, Wupper-, Panzer- und Bevertalsperre wiederum gespickt mit drei saftigen Steigungen. Irgendwie hatte ich den Marathon gar nicht mehr so hart in Erinnerung. An Kontrollpunkt 2 nach ca. 60 km dämmerte mir aber langsam, was der Tag noch bringen würde: Ein äußerst unrhythmisches Profil, viele kurze und sehr steile Anstiege, die man im günstigsten Fall 'überfahren' konnte, ohne ständig zu schalten. Dazu fehlt mir aber leider die nötige Schnellkraft und somit mußte mein Schaltwerk Sonderschichten einlegen. Wir passierten Lingesetal-, Brucher, Genketal- und Angertalsperre und erreichten nach ca. 95 km die Mittagskontrolle. Der Höhenmesser zeigte hier schon stattliche 1.300 Höhenmeter an, die Nudelsuppe hatten wir uns redlich verdient. Zwar war die Mittagspause recht früh im Programm, aber sehr gut plaziert, denn danach ging es 20 km flach entlang Listertalsperre und Biggesee. Gerade nach einer ausgiebigen Verpflegungspause hat man erfahungsgemäß öfter mal einen 'Hänger' und findet nicht wieder zum Rhythmus zurück.

Das flache Teilstück kam also wie gerufen, um die schweren Beine wieder in Schwung zu bringen. Es war sommerlich warm und angenehm geworden, und dieses eine von nur zwei einfachen Teilstücken der Tour ließ mich wieder etwas Kraft schöpfen für die restlichen Anstiege. Allerdings waren die flachen 20 km zu schnell vorbei und vor der nächsten Kontrolle war wieder ein giftiger Anstieg zu bewältigen, der mich erneut daran erinnerte, daß mir schon das Laktat von über 100 km und ungezählten Anstiegen in den Beinen steckte.

Mittlerweile steuerte ich in einer längeren Abfahrt auf den vierten Kontrollpunkt zu. Direkt danach waren aber bereits wieder 200 hm Anstieg zu überwinden. Im Anschluß an Versetal- und Fürwiggetalsperre kämpften wir uns zum höchsten Punkt des Tages auf 508 m über NN und fuhren nach 160 km Kontrolle 5 an. Zwischenzeitlich hatte ich Tuchfühlung mit zwei anderen Frauen aufgenommen - bei solchen 'Events' eine eher seltene Spezies, wovon eine die Lage mit 'Frau quält sich so durch' treffend beschrieb. Auf dem vorletzten Teilstück ging es wieder rauf und runter, und obwohl langsam meine Reserven zur Neige gingen, stieg das Stimmungsbarometer an. Ab km 150 passiert auf Marathonstrecken nämlich oft Kurioses: Während der ersten Stunden finden kaum Gespräche statt, jeder kämpft verbissen, ohne auf seine Mitstreiter zu blicken, geschweige denn diese anzusprechen. Auch nach 100 km haben immer noch viele mit sich selbst und der Strecke zu kämpfen, so daß Kommunikation nur spärlich stattfindet. Nach 150 km macht sich dann die Gewissheit breit, trotz der üblichen Schinderei (wem ein Marathon nicht weh tut, der macht was falsch!) die Strecke zu schaffen, und man kommt ins Gespräch oder findet kleine Gruppen, an die man sich anhängen kann. So auch in Gevelsberg bzw. gerade dort, denn nach der sechsten und letzten Kontrolle bei km 180 an der Ennepetalsperre ging es wirklich fast nur noch bergab bzw. flach zurück nach Gevelsberg. Im Windschatten eines netten Zeitgenossen (Danke!) erreichte ich nach einer reinen Fahrzeit von 8:06 h wohlbehalten wieder den Ausgangspunkt der Tour. Schlußendlich zeigte der Computer 206 km und 2.500 hm an, verteilt auf 17 (!) Anstiege. Die Veranstaltung trägt zweifelsohne zurecht auf der Ausschreibung den Titel 'Die Herausforderung'. Nicht nur der Schwierigkeitsgrad, sondern vor allem die landschaftlich wunderschöne Streckenführung durch das Oberbergische und Sauerland prädestinieren die Veranstaltung eigentlich für eine Supercup-Ausrichtung. Zwar ließ der Straßenbelag mancherorts sehr zu wünschen übrig, aber dies muß man in Zeiten knapper Kassen wohl in Kauf nehmen, wenn man abseits der Hauptverkehrsstraßen fahren will. Die kurzen Abschnitte durch einige Stadtgebiete mit den unvermeidlichen Ampeln ließen uns die restliche verkehrsarme Streckenführung um so mehr genießen.

Eine Beanstandung ist am Schluß aber noch anzubringen: Für einen 'normalen' Marathon sind 35 DM Startgebühr bei Voranmeldung (45 DM ohne Voranmeldung) nicht gerade wenig. Wer Teilnahmegebühren verlangt, die fast Supercup-Niveau haben, muß sich daher auch mit solchen Veranstaltungen messen lassen. Bei der Verpflegung hält der ansonsten gelungene Gevelsberger Marathon diesem Vergleich aber nicht stand. Gemessen an manch anderer Veranstaltungen (wie etwa dem Warburger Supercup) war die Verpflegung keineswegs optimal: So gab es an der vorletzten Kontrolle nur Milchbrötchen (kein Obst, Riegel, Joghurt o.ä.) an anderen Kontrollen waren die angebotenen Bananen noch weit von der Reife entfernt. An der letzten Kontrolle hat es wohl anfangs Kuchen gegeben, als ich ankam, war aber nichts mehr davon zu sehen (und so spät war ich nun auch nicht dran, zahlreiche Fahrer kamen auch noch 2 Stunden nach mir!). Da an dieser Kontrollstelle auch die RTF-Fahrer durchkamen, die die Stelle früher passierten, waren die Vorräte wohl schnell aufgebraucht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sollte in diesem Punkt noch dringend verbessert werden! Ansonsten ist aber die Gevelsberger Veranstaltung durchaus empfehlenswert.

Streckenkarte
Hoehenprofil
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